05 Apr Achtsamkeit: Magnet mit Sprengkraft

sprengkraft

„Ich sollte achtsamer sein“ – erste Reaktion oft von Menschen, wenn sie das Wort Achtsamkeit hören.

„Das würde mir gut tun“ – ein Wissen von etwas Gutem darin, irgendwie.

„Oh ja, dafür müsste ich mir mal Zeit nehmen“ – dahingesagt.

Neugier, Wachheit, wenn jemand das als die professionelle Leidenschaft bezeichnet.

Immer häufiger springen uns Bücher, Artikel, Flyer, Seminarangebote, Coaching – Produkte und zunehmend auch Forschungsberichte zu dem Thema in die Augen.

Manche Menschen sagen: „ich kann es nicht mehr hören“.

Oder: „Das ist doch etwas buddhistisches, nichts für mich“.

Oder: „Ich kann nicht still sein – das habe ich schon ausprobiert. Klappt bei mir nicht. Ich brauche Bewegung.“

Widerstand, Ablehnung, Vorurteile – auch Resonanz zum Thema.

Das Thema Achtsamkeit lässt kaum jemanden gleichgültig. Man positioniert sich, dafür oder dagegen.

Viele Menschen spüren: das hat etwas mit mir zu tun.

Achtsamkeit ist weder moralisch noch ausschließlich buddhistisch. Sie ist keine neue Religion, noch ist sie an eine Ideologie oder Weltanschauung gebunden.

Wir finden die Weisheit der Achtsamkeit in allen Kulturen und Religionen. Alle spirituellen Wege sind in ihrer Essenz nichts anderes als die Einübung von Achtsamkeit.

Alle Heilungsanliegen und -bemühungen sind wirksamer mit Achtsamkeit.

Jon Kabat Zinn sagt: Achtsamkeit ist universell. Er und sein Team haben sie mit dem 8-Wochen Programm MBSR (Mindfulness-Based-Stress-Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit) gesellschaftsfähig gemacht.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx nennt die Praxis der Achtsamkeit

die ‚Kulturtechnik der reifen Individualität’.

33 Millionen Treffer bei Google, wenn man das englische Wort mindfulness eingibt.

Achtsamkeit ist der Ausstieg aus dem Automatismus des Getriebenseins. Aus der Funktionalisierung aller Lebensbereiche.

Aus nicht förderlichen Konditionierungen. Aus destruktiven Glaubensmustern und Überzeugungen. Aus sorgenvollen Gedankenschleifen und leidvollem Verhalten.

Sie ist der Einstieg in eine umfassendere Wahrnehmung des eigenen Erlebens und Lebens.
Mit viel mehr Akzeptanz als gewöhnlich.

Und einer freundlicheren Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Weniger reaktiv, mehr konstruktiv aktiv.

Der Einstieg in einen anderen und sehr viel heilsameren Umgang mit Schmerzen und Leid.

Der Beginn der Übernahme von Verantwortung. Das Konzept von Schuld wird hinfällig.

Achtsamkeit ist der Freiheitsbegriff der Moderne. Uralt und hochaktuell.

Jeder Mensch hat die Anlagen dazu in sich, achtsam zu sein! Durch Üben werden sie geweckt und gestärkt.

Wissenschaftlich nachweisbar treten dadurch strukturelle Veränderungen im Gehirn ein. Die Aktivitäten verändern sich messbar.

In einem Seminar zum Thema Achtsamkeit sitzen wir im Kreis und kommen an. Auf dem Stuhl. Auf dem Kissen.

Es spielt keine Rolle, wer da sitzt. Welcher Beruf, welches Alter, Mann oder Frau, welche Not hierher gebracht hat. Der Mensch zählt.

Zusammensein miteinander, nicht gegeneinander oder über dem anderen oder darunter – auf Augenhöhe.

Nichts tun. Nur da sein. Keine Anforderung, kein Druck, keine Erwartung, kein „muss“.

Inhalt der Praxis: Ankommen im Mensch sein mit dem ganzen Potential.

1 Verweilen. Atem spüren. Körperempfindungen bewusst wahrnehmen. Erleben, dass da neben dem Kopf auch ein Körper ist, der gefühlt werden kann und will.

Eine Herausforderung. Zunächst wird die Erschöpfung spürbar, die sich im Laufe von vielen Jahren Streben und Eilen tief eingegraben hat.

Eine Revolution! Wirklich erleben, nicht nur mit dem Verstand wissen, dass Körper und Geist eine Einheit sind.

Sich ganz fühlen. Zunehmend. Und erfahren, wie Raum und Weite in uns entsteht, wenn wir entspannen.

2 Gedanken beobachten. Sich der inneren Filme, die hinter der Stirn unaufhörlich laufen, bewusst werden.

Nicht selten eine Überraschung, was da alles produziert wird. Ein Lärm von Gedanken und Geschichten und inneren Dialogen, wo man doch dachte, der ist nur im außen.

Es braucht viel Übung, um den Abstand dazu zu finden. Frei zu werden und wählen zu können: positive konstruktive oder negative, sorgenvolle Gedanken.

Eine grundlegender Bewusstseinswandel!

Der Negativitätstendenz des Gehirns nicht mehr ausgeliefert sein. Die Aufmerksamkeit lenken können. Und so auch das eigene Verhalten beeinflussen.

Erkennen: ich bin nicht meine Gedanken. Sie sind wirklich, aber nicht wahr.

3 Sinne erfahren. Zur Besinnung kommen. Im Fühlen, Riechen, Schmecken, Schauen, Hören.

Wach und präsent für die Vielfalt von lebendigem Leben.

Das Trinken einer Tasse Tee wird zu einer Offenbarung. Langsam und achtsam zelebriert. Das Essen einer Frucht zu einer Explosion der Geschmacksknospen im Mund.

Rückkehr ins Staunen. Erfahren, wie gut sich Wertschätzung anfühlt.

Wir üben im Gehen, Stehen, Sitzen Liegen. In Bewegung und Bewegungslosigkeit.

Während wir der Bewegung des Lebens im Innern lauschen. Absichtsvoll. Ohne Wertung. Leben spüren, wie es jetzt gerade ist.

Da kann Schmerz sein, oder Traurigkeit, oder Unruhe, oder Widerstand, oder Ablehnung, oder Langeweile. Vieles mehr. Alles ist willkommen.

Wir sehen es und wir lassen es da sein. Die ganze Vielfalt von Leben und lebendigem Ausdruck. Wir sitzen damit. Wir atmen damit.

Wir tauschen uns aus. Lernen am anderen und miteinander.

Das ist es.

Menschen, die täglich 8 Wochen praktiziert haben, berichten:

Man lebt bewusster. Nicht mehr so viel in der Zukunft, oder in der Vergangenheit, sondern eben jetzt.

Ich merke meine destruktiven Gedanken, die nehme ich mehr wahr. Wenn ich mich so runterziehe, mit irgendwas, was ich vielleicht nicht richtig gemacht habe, oder wie ich’s eigentlich machen müsste, dann bleibe ich nicht mehr daran kleben.
Und ich krieg mehr mit, was gut läuft.

Ich bin jemand, die früher sehr hibbelig war und gar nicht ohne was sein konnte. Immer ein Buch, eine Zeitung in der Hand.
Das ist ein Ort, wo ich einfach mal ein paar Stunden hinter dem Bienenhaus sitze und erstmal nur ins Grüne gucke.
Und Räume entstehen lasse. Also ich mache gar nichts und weiß, dass es erstmal wichtig ist, in diese Ruhe zu kommen. Aus der heraus sich andere Dinge entwickeln.

Es hat mir ganz doll geholfen, die Stresssituationen viel besser zu sehen. Und die angenehmen Situationen für sich wertvoller zu machen.

Wenn man sich auf den Atem konzentriert, dann ist auch diese Idee nicht mehr so vorhanden: das soll jetzt weggehen. Das rückt weit in den Hintergrund.
Man kann dann so sein, auch mit Stresssituationen, auch mit Krankheiten

Ich kann mich besser abgrenzen, von anderen differenzieren. Das war ein starkes Thema bei mir.

Dieses unmittelbare beim Körper sein war mir total neu. Also was für ein Körperbewusstsein man entwickeln kann. Und auch wie viel Zeit verstreicht, wo man überhaupt kein Körperbewusstsein hat, nämlich eigentlich immer.

Die Achtsamkeitsforscherin Britta Hölzel u.a. in dem Artikel ‚Workout für das Gehirn’:
Wenn wir uns regelmäßig hinsetzen, tief durchatmen und uns vornehmen, achtsam zu sein (vor allem, wenn wir das mit anderen Menschen tun), kann uns diese Gewohnheit von Grund auf verändern.

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Mein Name ist Brigitte Gerber und ich unterstütze Menschen darin, trotz der Herausforderungen des persönlichen und beruflichen Alltags, tiefe innere Ruhe und Gelassenheit zu erlangen. Darüber hinaus begleite ich Menschen in besonderen Situationen. Meine Leidenschaft ist die Praxis der Achtsamkeit. Früher war ich mal Pfarrerin in der Evangelischen Kirche.

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